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Strategie

ETF-Sparplan richtig starten: Auswahl, Kosten und die häufigsten Fehler

ETF-Sparplan starten: Index, Produkt und Broker richtig wählen. Mit Rechenbeispielen zu Ausführungskosten, Spread, TER und Vorabpauschale.

AutorBrokaro Redaktion
VeröffentlichtAktualisiertLesezeit10 Min.
Auf dieser Seite7
  1. Die kurze Antwort
  2. Die vier Kostenblöcke
  3. Die Geld-Brief-Spanne: der Posten, den niemand ausweist
  4. TER ist nicht gleich Renditedifferenz
  5. Ausschüttend oder thesaurierend
  6. Die häufigsten Fehler
  7. Was Sie konkret tun sollten

Die kurze Antwort

Drei Entscheidungen bestimmen, was nach zwanzig Jahren im Depot steht: welcher Index, welches Produkt auf diesen Index, und zu welchen Ausführungskosten Sie kaufen. Alles andere — App-Design, Bonusaktien, Push-Nachrichten — ist Beiwerk.

Bei den Ausführungskosten hat der europäische Wettbewerb bereits entschieden. Sparplanraten laufen bei mehreren bankenlizenzierten Anbietern ab EUR 1 kommissionsfrei durch. Die Kosten, die danach übrig bleiben, stehen dafür in keiner Preisliste: die Geld-Brief-Spanne des Handelsplatzes, die Differenz zwischen Fonds- und Indexrendite, und die Quellensteuer, die der Fonds auf Dividenden zahlt, bevor überhaupt jemand etwas ausschüttet.

Die vier Kostenblöcke

KostenblockWer kassiertTypische HöheIn der Preisliste?
AusführungsgebührBrokerEUR 0 bis 1,5 % je Rateja
Geld-Brief-SpanneMarket Maker0,03 % bis 0,50 % je Kaufnein
TERFondsanbieter0,05 % bis 0,50 % p. a.ja
Quellensteuer im Fondsausländischer Fiskusje nach Domizil und Replikationnein

Die Reihenfolge täuscht. Über die Ausführungsgebühr wird offen gestritten, und sie ist in Europa inzwischen der kleinste Posten — sofern Sie den richtigen Anbieter wählen. Die anderen drei laufen still weiter, jedes Jahr, und zwar auf das gesamte Vermögen statt nur auf die neue Rate.

Rechenbeispiel 1: Was eine Prozentgebühr kostet

Nehmen wir EUR 300 im Monat über 20 Jahre und eine unterstellte Rendite von 6 % p. a. Ohne Gebühren ergibt das ein Endvermögen von rund EUR 138 600.

  • 1,5 % je Ausführung, die klassische Hausbank-Kondition: Von jeder Rate kommen nur EUR 295,50 im Fonds an. Das Endvermögen sinkt um 1,5 % auf rund EUR 136 530 — eine Differenz von EUR 2 080.
  • EUR 1,50 pauschal je Ausführung: Das sind 0,5 % einer EUR-300-Rate, also rund EUR 690 weniger am Ende.
  • EUR 0 je Ausführung: Die volle Rate arbeitet.

Der Effekt ist nicht dramatisch, aber er ist geschenkt. Und er kippt bei kleinen Raten: EUR 1,50 auf eine EUR-50-Rate sind 3 %, nicht 0,5 %.

Was die Anbieter derzeit verlangen

AnbieterSparplanrateETF-EinzelorderDepotgebührBruchstücke
Trade RepublicEUR 0 ab EUR 1EUR 1,00keineja
Scalable CapitalEUR 0 ab EUR 1EUR 1,99 auf gettex/Xetra, EUR 0,99 auf EIXkeineja, nur im Sparplan
Lightyearkeine ETF-GebührEUR 0 auf ETFskeineja
DEGIROkein echter SparplanEUR 1,00 (Core Selection)keinenein
SwissquoteSparplan mit BruchstückenCHF 3–9 (ETF Leaders)CHF 80–200 p. a.ja

Stand September 2026. Preislisten ändern sich: Scalable hat gettex zum 1. September 2026 auf pauschal EUR 1,99 je Einzelorder umgestellt, die Sparplanausführung bleibt kostenlos. DEGIRO hat keinen Sparplan im Sinne einer automatischen Rate mit Bruchstücken — dort kaufen Sie ganze Anteile per Einzelorder, was ab etwa EUR 1 500 pro Kauf günstig wird, bei EUR 150 im Monat aber unpraktisch ist. Swissquote ist die teuerste Zeile der Tabelle und trotzdem für viele Schweizer Anlegerinnen und Anleger die richtige Wahl, weil dort Säule 3a, Bankkonto und Depot unter einer FINMA-Lizenz zusammenliegen.

Die Geld-Brief-Spanne: der Posten, den niemand ausweist

Ein ETF hat einen Nettoinventarwert, aber Sie kaufen ihn nicht zum Nettoinventarwert. Sie kaufen ihn von einem Market Maker, der gleichzeitig einen Geldkurs stellt, zu dem er kauft, und einen Briefkurs, zu dem er verkauft. Die Differenz ist sein Ertrag und Ihre Kosten.

Wie gross diese Spanne ausfällt, hängt an drei Dingen: an der Liquidität der Titel im Index, an der Tageszeit und am Handelsplatz. Ein MSCI-World-ETF wird während der Xetra-Kernzeit häufig mit 0,03 bis 0,08 % gehandelt. Derselbe ETF um 22:30 Uhr auf einem ausserbörslichen Handelsplatz, wenn die europäischen Referenzmärkte geschlossen sind und der Market Maker sein Risiko nicht sofort absichern kann, wird spürbar weiter quotiert.

Rechenbeispiel 2: Spread bei Sparplan und bei Einmalanlage

  • Sparplan, EUR 300 im Monat. Halber Spread von 0,04 % = EUR 0,12 je Kauf. Über 240 Raten: rund EUR 29. Vernachlässigbar.
  • Einmalanlage, EUR 25 000. Halber Spread von 0,04 % = EUR 10. Bei 0,40 % sind es EUR 100. Ein einziger Kauf, das Zehnfache an Kosten.

Daraus folgt eine praktische Regel: Bei einer Monatsrate ist der Spread kein Thema, und den Ausführungstermin zu optimieren lohnt nicht. Bei einer grösseren Einmalanlage ist er der grösste Einzelposten der Transaktion — dann handeln Sie während der Hauptzeit der Referenzbörse und mit einem Limit statt billigst.

TER ist nicht gleich Renditedifferenz

Die Gesamtkostenquote (TER) wird täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen. Sie ist die untere Grenze dessen, was der Fonds kostet — aber nicht das Ergebnis. Was zählt, ist die Tracking Difference: die tatsächliche Differenz zwischen Indexrendite und Fondsrendite über ein Kalenderjahr.

Zwei Effekte verschieben diese Differenz:

  • Wertpapierleihe. Physisch replizierende Fonds verleihen Titel und behalten einen Teil der Leihgebühr. Das arbeitet gegen die TER.
  • Quellensteuer auf Dividenden. Ein Fonds mit irischem Domizil kann auf US-Dividenden den Abkommenssatz von 15 % statt des gesetzlichen US-Satzes von 30 % geltend machen. Swap-basierte ETFs auf US-Indizes können die US-Dividendenbesteuerung über die Konstruktion des Swaps ganz vermeiden. Bei einem US-lastigen Index sind das mehrere Basispunkte pro Jahr — mehr als der TER-Unterschied zwischen zwei Anbietern.

Welcher Fonds am Ende vorne liegt, lässt sich deshalb weder an der TER allein noch an einer Momentaufnahme in einem Ratgeber ablesen. Konkrete Produktzahlen nennen wir hier bewusst nicht: TER und Fondsvolumen ändern sich laufend und sind nur mit ISIN und Stichtag nachprüfbar. Massgeblich sind die Unterlagen der Fondsgesellschaft selbst — das Basisinformationsblatt (PRIIP-KID) für die laufenden Kosten, das aktuelle Factsheet für Fondsvolumen, Domizil und Replikationsart.

Auf ein Depot von EUR 100 000 sind acht Basispunkte Unterschied in der TER genau EUR 80 im Jahr. Das ist real, aber es ist kein Grund, einen sehr grossen Fonds gegen einen kleinen zu tauschen. Kleine Fonds werden geschlossen oder verschmolzen, und eine Liquidation ist in Deutschland ein steuerpflichtiger Vorgang, der Ihre Haltedauer beendet. Ab etwa EUR 500 Mio. Fondsvolumen ist dieses Risiko in der Praxis gering.

Ausschüttend oder thesaurierend

Ökonomisch ist der Unterschied null: Der thesaurierende Fonds legt die Dividende sofort wieder an, beim ausschüttenden tun Sie das selbst. Steuerlich ist der Unterschied je nach Wohnsitzland erheblich.

Deutschland

Seit der Investmentsteuerreform 2018 gibt es die Vorabpauschale. Sie greift bei thesaurierenden Fonds und sorgt dafür, dass ein Mindestertrag jährlich besteuert wird, auch wenn nichts ausgeschüttet wurde. Der Mechanismus:

  1. 1Basisertrag = Rücknahmepreis am Jahresanfang × Basiszins × 0,7
  2. 2abzüglich der im Jahr tatsächlich geleisteten Ausschüttungen
  3. 3begrenzt auf die tatsächliche Wertsteigerung des Anteils im Jahr
  4. 4davon sind bei Aktienfonds 30 % steuerfrei (Teilfreistellung)
  5. 5der Rest wird mit 25 % Abgeltungsteuer belegt, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer

Der Basiszins wird vom Bundesfinanzministerium jeweils Anfang Januar veröffentlicht und leitet sich aus der Rendite langlaufender Bundesanleihen ab. Prüfen Sie den aktuellen Wert im BMF-Schreiben des jeweiligen Jahres, bevor Sie rechnen — er ändert sich jedes Jahr.

Rechenbeispiel mit einem hier angenommenen Basiszins von 2,5 % und einem Depotwert von EUR 50 000 zum Jahresanfang:

  • Basisertrag: 50 000 × 2,5 % × 0,7 = EUR 875
  • Teilfreistellung 30 %: steuerpflichtig bleiben EUR 612,50
  • Steuer bei 26,375 % (25 % plus Soli): rund EUR 162
  • Sparer-Pauschbetrag: EUR 1 000 pro Person, EUR 2 000 bei Zusammenveranlagung. Wer ihn nicht anderweitig verbraucht hat, zahlt in diesem Beispiel null.

Praktischer Hinweis: Die Vorabpauschale wird im Januar des Folgejahres vom Verrechnungskonto eingezogen. Halten Sie dort Guthaben vor, sonst verkauft manche Bank automatisch Anteile.

Schweiz

Für Privatpersonen sind realisierte Kursgewinne steuerfrei; besteuert werden Erträge. Bei einem thesaurierenden Fonds sind die einbehaltenen Erträge trotzdem als Einkommen zu deklarieren, obwohl kein Geld geflossen ist. Die Eidgenössische Steuerverwaltung veröffentlicht die massgeblichen Werte je ISIN im ICTax-Register. Auf schweizerische Ausschüttungen werden zudem 35 % Verrechnungssteuer einbehalten, die über die Steuererklärung zurückgefordert wird.

Österreich

27,5 % Kapitalertragsteuer. Entscheidend ist, ob der Fonds ein Meldefonds ist: Nur dann werden die ausschüttungsgleichen Erträge korrekt gemeldet und besteuert. Nicht-Meldefonds werden pauschal und deutlich ungünstiger behandelt. Die Liste führt die OeKB.

Beachten Sie ausserdem, ob Ihr Broker die Steuer überhaupt abführt. Trade Republic tut das für deutsche Steuerpflichtige, DEGIRO für niemanden. Wer aus Österreich oder der Schweiz bei einem ausländischen Broker anlegt, erledigt die Deklaration selbst.

Die häufigsten Fehler

  1. 1Drei ETFs kaufen, die dasselbe halten. MSCI World plus S&P 500 plus Nasdaq 100 ist keine Diversifikation, sondern derselbe US-Technologiesektor in drei Verpackungen. Ein Welt-ETF, optional ergänzt um Schwellenländer, reicht für die meisten Depots.
  2. 2Auf die TER starren und die Fondsgrösse ignorieren. Acht Basispunkte Ersparnis sind kein Argument für einen Fonds, der in drei Jahren verschmolzen wird.
  3. 3Den Sparplan im Rücksetzer pausieren. Der ganze Sinn einer festen Rate ist, dass sie in schwachen Monaten mehr Anteile kauft. Wer pausiert, kehrt den Mechanismus um.
  4. 4Den Broker nach dem Wechselbonus wählen. Prüfen Sie stattdessen die Kosten des Wegs hinaus: DEGIRO berechnet für ausgehende Depotüberträge EUR 20 je Position auf dem Euro-Preisverzeichnis, Saxo rund EUR 50 je ISIN; bei Trade Republic ist der Übertrag kostenfrei. Bei zehn Positionen ist der Bonus bei den kostenpflichtigen Anbietern damit aufgebraucht.
  5. 5Den Freistellungsauftrag vergessen. In Deutschland kostet das dauerhaft keine Steuer, aber es bindet Liquidität bis zur Steuererklärung.
  6. 6Eine währungsgesicherte Anteilsklasse kaufen. Die Absicherung kostet die Zinsdifferenz zwischen den Währungen und beseitigt bei einem globalen Aktien-ETF ein Risiko, das über zwanzig Jahre ohnehin weitgehend ausläuft.
  7. 7Den Ausführungstag optimieren wollen. Bei EUR 300 im Monat geht es um Cent-Beträge. Diese Zeit ist besser in die Sparquote investiert.

Was Sie konkret tun sollten

  1. 1Index festlegen. Ein breiter globaler Aktienindex als Kern. Wenn Sie Schwellenländer wollen, nehmen Sie eine All-Country-Variante statt zweier Fonds.
  2. 2Zwei bis drei Produkte vergleichen, und zwar nach Tracking Difference der letzten drei Jahre, nach Fondsvolumen (ab etwa EUR 500 Mio.) und nach Domizil — nicht nur nach TER.
  3. 3Broker nach der Sparplanausführung wählen, nicht nach dem Marketing. Kostenlos ab EUR 1 mit Bruchstücken ist in Europa Marktstandard und keine Sonderleistung.
  4. 4Prüfen, ob der Broker in Ihrem Land Steuern abführt. Wenn nicht, planen Sie die Deklaration ein, bevor Sie eröffnen.
  5. 5Rate festlegen, Dauerauftrag einrichten, Depot höchstens quartalsweise anschauen.
  6. 6Einmal im Jahr prüfen: Freistellungsauftrag ausgeschöpft? Guthaben für die Vorabpauschale im Januar vorhanden? Fondsvolumen noch stabil?

Steuerregeln und Preislisten ändern sich, teils mitten im Jahr. Prüfen Sie jede Zahl in diesem Text am aktuellen Preisverzeichnis Ihres Anbieters und bringen Sie Steuerfragen zu einer steuerberatenden Person.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

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Die Inhalte auf Brokaro dienen ausschliesslich Informationszwecken und stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr; massgeblich sind allein die Angaben des jeweiligen Anbieters.

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