Zum Inhalt springen
Brokaro
Regulierung

Unseriöse Broker erkennen: 12 Warnsignale und wie Sie eine Lizenz prüfen

Die Registerprüfung dauert fünf Minuten und sortiert den Grossteil des Feldes aus. Dazu 12 Warnsignale, Bonus-Rechenbeispiele und der Auszahlungstest.

AutorBrokaro Redaktion
VeröffentlichtAktualisiertLesezeit9 Min.
Auf dieser Seite10
  1. Fangen Sie beim Register an, nicht bei den Bewertungen
  2. Die Fünf-Minuten-Lizenzprüfung
  3. Wo Sie nachschlagen
  4. Der Gesellschafts-Trick
  5. 12 Warnsignale
  6. Rechenbeispiel: Was ein Bonus von 500 Euro wirklich kostet
  7. Rechenbeispiel: "ab 0,0 Pips"
  8. Der Auszahlungstest
  9. Rechenbeispiel: die zweite Masche
  10. Was Sie konkret tun sollten

Fangen Sie beim Register an, nicht bei den Bewertungen

Die wertvollste Prüfung ist auch die schnellste: Nehmen Sie den Namen der juristischen Person aus dem Impressum oder den AGB, schlagen Sie ihn im Register der zuständigen Aufsicht nach und vergleichen Sie die Lizenznummer. Das dauert fünf Minuten und sortiert die grosse Mehrheit der problematischen Anbieter aus, bevor Sie überhaupt ein Formular ausfüllen.

Bewertungsportale leisten das nicht. Bewertungen lassen sich kaufen, Testimonials erfinden, Screenshots fälschen. Ein Registereintrag lässt sich nicht fälschen - deshalb versuchen unseriöse Anbieter, ihn zu imitieren. Genau darauf zielt die folgende Prüfung.

Die Fünf-Minuten-Lizenzprüfung

  1. 1Juristische Person finden. Nicht die Marke. Im Footer der Website oder im ersten Absatz der AGB steht eine Firmierung mit Rechtsform, Sitz und meist einer Lizenznummer. Fehlt das vollständig, können Sie hier aufhören.
  2. 2Im Register der genannten Aufsicht suchen - und zwar aus einer eigenen Suche heraus, nie über einen Link, den der Anbieter Ihnen geschickt hat.
  3. 3Nummer und Firmierung abgleichen. Die FCA formuliert das explizit: Referenznummer und Kontaktdaten müssen mit dem Registereintrag übereinstimmen (FCA).
  4. 4Kontaktdaten aus dem Register nehmen, nicht von der Website. Rufen Sie im Zweifel die im Register hinterlegte Nummer an und fragen Sie, ob die Domain, mit der Sie es zu tun haben, zu diesem Institut gehört.
  5. 5Warnlisten prüfen. FCA Warning List, FINMA-Warnliste, BaFin-Warnmeldungen. Die FINMA weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Warnliste weder vollständig ist noch täglich aktualisiert wird - ein fehlender Eintrag ist also kein Freibrief.
  6. 6Erlaubte Tätigkeiten lesen. Ein Registereintrag als Zahlungsdienstleister oder Krypto-Registrierung ist keine Erlaubnis, Wertpapierdienstleistungen zu erbringen.

Wo Sie nachschlagen

LandAufsichtRegisterWas ein Treffer aussagt
DeutschlandBaFinUnternehmensdatenbank auf bafin.de, plus Warnmeldungen zu unerlaubten GeschäftenErlaubnis nach KWG oder WpIG, mit Angabe der zulässigen Geschäfte
SchweizFINMAListe der bewilligten Institute, plus WarnlisteBankbewilligung oder Wertpapierhaus-Bewilligung; Forex- und CFD-Anbieter brauchen in der Schweiz eine Bankbewilligung
GrossbritannienFCAFinancial Services Register und Warning ListZulassung mit Referenznummer, erlaubte Tätigkeiten und Kontaktdaten
EWRNationale Aufsicht, Übersicht bei der ESMARegister der jeweiligen Behörde, ESMA-RegisterZulassung nach MiFID II plus die Länder, in die passportiert wurde
USASEC, FINRA, CFTC, NFABrokerCheck, NFA BASICRegistrierung, Disziplinarhistorie, früherer Arbeitgeber der Berater

Merken Sie sich die Reihenfolge: erst die Gesellschaft, dann das Register, dann die erlaubten Tätigkeiten. Wer nur nach dem Markennamen sucht, findet oft einen Treffer, der zu einer anderen Konzerngesellschaft gehört.

Der Gesellschafts-Trick

Das häufigste Muster ist nicht die glatte Fälschung, sondern die Umleitung. Eine Gruppe betreibt eine FCA-lizenzierte Gesellschaft in London, eine CySEC-lizenzierte in Limassol und eine dritte auf den Seychellen oder in Vanuatu. Die Website zeigt alle drei Lizenzen. Bei der Kontoeröffnung landen Privatkunden aus dem EWR aber regelmässig bei der Offshore-Gesellschaft - weil dort höhere Hebel möglich sind und die Marge des Anbieters grösser ist.

Alle Angaben sind dabei formal korrekt. Nur gilt für Sie ausschliesslich die Gesellschaft, die in Ihrem Kundenvertrag steht. Deren Aufsicht, deren Hebelgrenzen, deren Entschädigungssystem - oder eben keines.

MerkmalTier-1-Lizenz (BaFin, FINMA, FCA)Offshore-Registrierung
Hebel für Privatkunden30:1 auf Haupt-Währungspaare, 5:1 auf Einzelaktienoft 500:1 bis 2000:1
Schutz vor negativem Kontostandvorgeschriebenfreiwillig, jederzeit änderbar
Getrennte Verwahrung von Kundengeldgeprüfte Pflichtbehauptet, selten geprüft
Entschädigung bei Ausfallja, mit Betragsgrenzein der Regel keine
BeschwerdestelleOmbudsstelle oder SchlichtungGericht am Sitz des Anbieters

Der Hebel ist dabei nicht der Vorteil, als der er verkauft wird. Die ESMA bezifferte den Anteil verlustbringender Privatkundenkonten bei Einführung ihrer Massnahmen 2018 auf 74 bis 89 Prozent, bei durchschnittlichen Verlusten zwischen 1.600 und 29.000 Euro je nach Land (ESMA). Diese Zahlen stammen überwiegend aus regulierten Häusern mit Hebelgrenzen.

12 Warnsignale

  1. 1Der erste Kontakt kam von ihnen. Anruf, WhatsApp-Nachricht, Telegram-Gruppe, Instagram-Werbung mit anschliessendem "Kontobetreuer". Seriöse Broker gewinnen Kunden über Vergleich und Suche, nicht über Kaltakquise.
  2. 2Eine Rendite mit einer Zahl daran. "8 Prozent im Monat", "abgesichertes Kapital". Kein regulierter Broker darf ein Handelsergebnis zusagen, weil er es nicht kontrolliert.
  3. 3Keine Firmierung, keine Lizenznummer, keine Adresse. Ein Postfach oder eine reine Marke ohne Rechtsform ist ein Ausschlusskriterium, kein Schönheitsfehler.
  4. 4Die Lizenznummer passt nicht zum Registereintrag. Das ist das Kennzeichen einer Klon-Firma: Sie kopiert Name, Nummer und Design eines echten Instituts und ändert nur Domain und Bankverbindung.
  5. 5Tier-1-Logos, die zu einer Schwestergesellschaft gehören. Siehe oben - prüfen Sie, welche Gesellschaft in Ihrem Vertrag steht.
  6. 6Jemand will für Sie handeln oder auf Ihren Rechner. Vermögensverwaltung ist eine eigene, erlaubnispflichtige Tätigkeit. Eine Aufforderung, AnyDesk oder TeamViewer zu installieren, ist in diesem Kontext praktisch immer ein Angriff.
  7. 7Bonus mit Umsatzbedingungen. Dazu unten die Rechnung. Die Bedingung sperrt in der Regel nicht nur den Bonus, sondern auch Ihre eigene Einlage.
  8. 8Zeitdruck. Fristen, "das Fenster schliesst heute", ein Analyst, der während einer Marktbewegung am Telefon bleibt. Druck ist keine Marktbedingung, sondern eine Verkaufstechnik.
  9. 9Einzahlungswege ausserhalb des Bankensystems. Überweisung an einen privaten Empfänger, an einen Zahlungsagenten in einem Drittland oder in eine Krypto-Wallet. Damit endet jede Rücklastschriftmöglichkeit.
  10. 10Keine Risikowarnung, keine Verlustquote. Anbieter von CFDs im EWR und in Grossbritannien müssen den Anteil verlustbringender Konten veröffentlichen. Fehlt die Zeile, unterliegt der Anbieter dieser Regel nicht - und damit auch keiner der anderen.
  11. 11Geld, bevor Geld fliesst. "Steuer", "Freigabegebühr", "Compliance-Prüfung", "Konvertierungskosten" vor einer Auszahlung. Legitime Gebühren werden vom Auszahlungsbetrag abgezogen, nicht vorab eingefordert.
  12. 12Nach dem Verlust meldet sich eine Rückholfirma. Diese Anrufer haben Ihre Daten aus derselben Quelle wie die erste Masche. Das ist die zweite Stufe, nicht die Rettung.

Rechenbeispiel: Was ein Bonus von 500 Euro wirklich kostet

Bonusbedingungen sind unterschiedlich formuliert, die Arithmetik hat aber immer dieselbe Form. Angenommen, ein Anbieter gewährt 500 Euro Bonus und gibt die Bedingung aus, dass pro 5 Euro Bonus ein Standardlot gehandelt werden muss. Das sind 100 Standardlots, also rund 10 Millionen Euro Nominalvolumen.

Bei einem Round-Trip-Kostenniveau von einem Pip auf EUR/USD kostet ein Standardlot etwa 10 US-Dollar. 100 Lots kosten damit rund 1.000 US-Dollar an Handelskosten, um einen Bonus von 500 Euro freizuschalten - vor jedem Markteinfluss. Der Anbieter zahlt 500 und nimmt 1.000 ein. Und solange die Bedingung offen ist, ist meist auch Ihre eigene Einzahlung nicht auszahlbar.

Das ist kein Betrug, sondern eine Konstruktion. Aber es erklärt, warum Bonusangebote in vielen Jurisdiktionen für Privatkunden untersagt wurden. Wenn Ihnen ein Bonus angeboten wird, obwohl Sie in der EU oder Grossbritannien sitzen, sagt allein das schon etwas über die Gesellschaft aus, bei der Sie landen sollen.

Rechenbeispiel: "ab 0,0 Pips"

"Ab" beschreibt den günstigsten je gemessenen Tick, nicht Ihren durchschnittlichen Ausführungspreis. Nehmen wir einen Trader mit 40 Standardlots pro Monat auf EUR/USD.

  • Beworben: "ab 0,0 Pips" ohne Kommissionsangabe. Impliziert: nahezu null.
  • Realistisch gemessener, zeitgewichteter Durchschnitt: 1,3 Pips. Kosten: 40 Lots mal 1,3 Pips mal 10 US-Dollar je Pip = 520 US-Dollar im Monat, also rund 6.240 US-Dollar im Jahr.
  • Ein transparentes Raw-Spread-Konto mit 0,2 Pips Durchschnitt und 3,50 US-Dollar Kommission je Seite kostet 40 mal (2 + 7) = 360 US-Dollar im Monat.

Das günstigere Modell ist hier dasjenige mit der offen ausgewiesenen Kommission. Der entscheidende Test ist nicht die Werbezahl, sondern ob der Anbieter durchschnittliche Spreads mit Messzeitraum veröffentlicht. Wer das nicht tut, hat einen Grund.

Der Auszahlungstest

Der beste verfügbare Praxistest ist billig. Zahlen Sie den Mindestbetrag ein, warten Sie zwei bis drei Tage, handeln Sie wenig oder gar nicht und beantragen Sie dann die Auszahlung eines Teilbetrags auf dasselbe Konto, von dem eingezahlt wurde.

Sie riskieren dabei vielleicht 250 Euro und einige Gebühren. Sie erfahren dafür: ob der Auszahlungsweg funktioniert, wie lange er dauert, ob plötzlich Dokumente verlangt werden, die bei der Einzahlung nicht nötig waren, und ob jemand anruft, um Ihnen die Auszahlung auszureden. Der letzte Punkt ist das aussagekräftigste Signal überhaupt.

Vergleichen Sie das mit der Alternative: 10.000 Euro einzahlen und erst beim ersten Auszahlungsversuch feststellen, dass der Weg nicht existiert.

Rechenbeispiel: die zweite Masche

Das Muster der sogenannten Rückholdienste läuft immer gleich ab. Nach einem Verlust von, sagen wir, 12.000 Euro meldet sich eine Kanzlei oder eine "Chargeback-Spezialistin". Verlangt werden nacheinander: 20 Prozent Erfolgshonorar im Voraus, also 2.400 Euro; eine "grenzüberschreitende Transaktionssteuer" von 1.800 Euro; eine "Treuhandfreigabe" von 900 Euro. Summe: 5.100 Euro zusätzlicher Verlust, ohne dass ein Cent zurückfliesst.

Der Test ist einfach: Eine echte Rückabwicklung läuft über Ihre Bank, Ihren Kartenanbieter, die Aufsicht oder ein Gericht - Stellen, die Sie selbst kontaktieren und die Sie nicht von sich aus anrufen. Niemand mit einer echten Erfolgsaussicht braucht eine Vorauszahlung für eine Steuer.

Was Sie konkret tun sollten

  1. 1Firmierung aus dem Vertrag ziehen und im Register nachschlagen - über eine eigene Suche, nicht über einen zugesandten Link.
  2. 2Erlaubte Tätigkeiten lesen, nicht nur den Zulassungsstatus. Zahlungsdienst ist nicht Wertpapierdienstleistung.
  3. 3Warnlisten von FCA, FINMA und BaFin durchsuchen, im Bewusstsein, dass sie unvollständig sind.
  4. 4Bonus, Umsatzbedingungen und Auszahlungsklauseln vor der Einzahlung lesen. Wenn die Bedingung Ihre eigene Einlage sperrt, ist sie kein Geschenk.
  5. 5Auszahlungstest mit dem Mindestbetrag durchführen, bevor Sie das Konto ernsthaft finanzieren.
  6. 6Jeden ungebetenen Kontakt beenden, der Handel, Rückholung oder Kontozugriff anbietet - unabhängig davon, wie professionell er wirkt.
  7. 7Im Schadensfall sofort Bank und Aufsicht informieren. Rückbuchungen bei Kartenzahlungen sind fristgebunden, und jede verstrichene Woche kostet Optionen.

Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Häufige Fragen

Passende Broker

Werbehinweis: Bei aktiven Partnerschaften können wir über Broker-Links eine Provision erhalten. Massgeblich sind die Konditionen des Anbieters. Provisionen beeinflussen unsere Bewertungen nicht; bezahlte Platzierungen werden gesondert als gesponsert gekennzeichnet.

Interactive Brokers logo

Interactive Brokers

Aktive und professionelle Trader

Risikohinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Überlegen Sie, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

IG logo

IG

Erfahrene CFD- und Spread-Bet-Trader

Risikohinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Überlegen Sie, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

XTB logo

XTB

Ernsthaftes Charting mit kleinem Budget

Risikohinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Überlegen Sie, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Saxo logo

Saxo

Multi-Asset-Depots

Risikohinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Überlegen Sie, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Swissquote logo

Swissquote

Anleger in der Schweiz

Risikohinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Überlegen Sie, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Die Inhalte auf Brokaro dienen ausschliesslich Informationszwecken und stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr; massgeblich sind allein die Angaben des jeweiligen Anbieters.

Weiterlesen

Passende Ratgeber aus demselben Themenfeld.